Schleswig-Holstein ist Deutschlands Windenergie-Land Nummer eins. Was viele ubersehen: Das Bundesland baut seine Solarleistung ebenso schnell aus. Mit uber 4 GW installierter PV-Kapazitat und einem der fortschrittlichsten Ansatze fur die Kombination von Wind und Solar ist Schleswig-Holstein ein interessanter Markt fur Installateure und Projektentwickler.
Dieser Leitfaden erklart die Netzanschlussprozesse, Forderprogramme und Besonderheiten fur Solaranlagen in Schleswig-Holstein.
Regulatorische Ubersicht
| Bundesland | Schleswig-Holstein |
| Haupt-DSO | E.ON Netz |
| Einwohner | 2,9 Millionen |
| Installierte PV-Leistung | ~4 GW |
| Wind + Solar | Fuhrend in Deutschland |
| Solarpflicht | Keine landesweite Pflicht |
Wind-Solar-Hybrid: Das SH-Modell
Schleswig-Holstein ist Vorreiter bei der Kombination von Wind- und Solarenergie auf demselben Gelande. Hybridparks nutzen die unterschiedlichen Erzeugungsprofile beider Technologien und entlasten das Stromnetz.
Solarmarkt Schleswig-Holstein
Schleswig-Holstein liegt im Norden Deutschlands und hat einen Ruf als Windenergie-Land. Doch die Solarbranche wachst hier ebenfalls stark. Das Bundesland profitiert von mehreren Faktoren, die den Ausbau von Photovoltaik begunstigen.
Solarertrag im Norden
Der haufigste Einwand gegen Solar im Norden lautet: “Zu wenig Sonne.” Die Daten zeigen ein anderes Bild. Schleswig-Holstein erzielt durchschnittlich 900 bis 950 kWh pro Kilowattpeak pro Jahr. Das liegt zwar unter den Werten in Bayern oder Baden-Wurttemberg, reicht aber fur wirtschaftliche Projekte.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Durchschnittlicher Solarertrag | 900–950 kWh/kWp/Jahr |
| Installierte PV-Leistung | ~4 GW |
| Anteil erneuerbarer Energien | ~70 % des Stromverbrauchs |
| Flache pro Einwohner | Hoch (landliche Struktur) |
| Durchschnittliche Anlagengröße | Mittel bis groß |
Die landliche Struktur des Bundeslandes bietet viel Flache fur Freiflachenanlagen. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach Dachanlagen in den Stadten Kiel, Lubeck und Flensburg.
Markttreiber
Die Energiewende-Strategie der Landesregierung treibt den Ausbau voran. Schleswig-Holstein will bis 2035 klimaneutral werden. Das ist ehrgeiziger als das bundesweite Ziel. Solar spielt dabei eine zentrale Rolle neben der Windenergie.
Die Nahe zu Danemark und den skandinavischen Landern schafft zudem Exportmoglichkeiten fur Solarstrom. Die Nord-Sud-Stromtrassen verbessern die Ubertragungskapazitaten kontinuierlich.
Wichtigste Netzbetreiber
Der Netzanschluss ist der entscheidende Schritt fur jede Solaranlage. In Schleswig-Holstein dominiert ein Betreiber den Markt.
E.ON Netz
E.ON Netz ist der großte Verteilnetzbetreiber in Schleswig-Holstein. Das Unternehmen betreibt das Stromnetz in weiten Teilen des Bundeslandes. Fur Installateure bedeutet das: Die meisten Anschlussantrage laufen bei E.ON ein.
Die E.ON bietet einen Online-Antragsservice fur Netzanschlusse an. Der Prozess folgt den bundesweiten Standards nach dem Energiewirtschaftsgesetz (EnWG). Die Bearbeitungszeiten variieren je nach Anlagengröße und NetzausbauBedarf.
Fur großere Projekte empfiehlt sich ein fruher Kontakt mit dem Netzbetreiber. E.ON veroffentlicht regelmaßig Informationen zur Netzkapazitat in verschiedenen Regionen. Diese Daten helfen bei der Standortwahl.
Weitere Betreiber
Neben E.ON gibt es kleinere regionale Betreiber. In einigen Kommunen ubernehmen Stadtwerke den Netzbetrieb. Die genaue Zuordnung hangt von der Postleitzahl ab.
Installateure sollten vor Projektbeginn immer prufen, welcher Betreiber fur den Standort zustandig ist. Das Bundesnetzagentur-Portal stromnetz.de bietet eine Postleitzahlensuche.
Netzanschluss in Schleswig-Holstein
Der Netzanschlussprozess folgt bundesweiten Regeln. Schleswig-Holstein hat jedoch einige Besonderheiten durch die hohe Windenergie-Durchdringung.
Standardprozess
Der Antragsprozess lauft in mehreren Schritten ab:
- Voranfrage stellen — Prufung der Netzkapazitat vor Investitionsentscheidung
- Anschlussantrag einreichen — Technische Daten der Anlage ubermitteln
- Netzstudie — Der Betreiber pruft den Netzanschluss
- Angebot erhalten — Kosten und technische Bedingungen
- Anschlussvertrag schließen — Rechtliche Grundlage fur den Anschluss
- Bau und Inbetriebnahme — Anlage bauen und ans Netz bringen
Die Voranfrage ist besonders wichtig in Regionen mit hoher Erneuerbaren-Dichte. In Schleswig-Holstein betrifft das vor allem landliche Gebiete mit vielen Windparks.
Besonderheiten durch Windenergie
Schleswig-Holstein hat die hochste Windenergie-Dichte Deutschlands. Das bringt Herausforderungen fur das Stromnetz mit sich. In manchen Regionen ist die Netzkapazitat begrenzt.
Solarprojekte profitieren von der komplementaren Erzeugung. Wind produziert vor allem im Winter und bei Nacht. Solar liefert im Sommer und tagsuber. Diese Kombination entlastet das Netz.
Bei Hybridprojekten aus Wind und Solar gibt es besondere Anforderungen. Die Anlagen mussen gemeinsam geplant und angemeldet werden. E.ON bietet hier spezifische Beratung an.
Kosten
Die Anschlusskosten hangen von mehreren Faktoren ab:
| Faktor | Einfluss auf Kosten |
|---|---|
| Entfernung zum Netzanschlusspunkt | Je weiter, desto teurer |
| Netzausbaubedarf | Neue Leitungen erhohen Kosten |
| Anlagenleistung | Großere Anlagen = hohere Kosten |
| Spannungsebene | Mittelspannung teurer als Niederspannung |
| Regionale Netzauslastung | Engpasse konnen Zusatzkosten verursachen |
Die Kosten werden vor Baubeginn im Anschlussangebot festgelegt. Installateure sollten diese Kosten fruh in die Wirtschaftlichkeitsrechnung einbeziehen.
Forderprogramme
Schleswig-Holstein bietet mehrere Forderwege fur Solaranlagen. Die Programme richten sich an unterschiedliche Zielgruppen.
Zukunftsfonds Schleswig-Holstein
Der Zukunftsfonds ist das zentrale Landesforderprogramm. Er unterstutzt Projekte in den Bereichen erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Klimaschutz. Solaranlagen konnen unter bestimmten Bedingungen gefordert werden.
Die Forderung richtet sich vor allem an:
- Kommunale Projekte
- Gewerbliche Anlagen
- Innovative Konzepte wie Hybridparks
- Energiegenossenschaften
Die genauen Forderbedingungen andern sich regelmaßig. Installateure sollten die aktuellen Richtlinien auf der Website des Wirtschaftsministeriums prufen.
Kommunale Forderprogramme
Viele Stadte und Gemeinden in Schleswig-Holstein haben eigene Forderprogramme. Kiel, Lubeck und Flensburg bieten Zuschusse oder gunstige Kredite fur Solaranlagen.
Die Programme unterscheiden sich stark. Einige fordern nur Privatanlagen. Andere richten sich an Gewerbe oder Kommunen. Die Hohe der Forderung variiert von wenigen hundert Euro bis zu funfstelligen Betragen.
Installateure sollten bei jedem Projekt prufen, ob kommunale Forderung moglich ist. Die Stadtverwaltungen oder kommunalen Energieberatungen sind die richtigen Ansprechpartner.
KfW-Forderung
Die Kreditanstalt fur Wiederaufbau (KfW) bietet bundesweite Forderprogramme fur erneuerbare Energien. Diese Programme gelten auch in Schleswig-Holstein.
Die wichtigsten Programme fur Solar sind:
- KfW 270 — Energieeffizient Bauen und Sanieren
- KfW 275 — Erneuerbare Energien Standard
- KfW 294 — Kommunale Investitionsforderung
Die KfW-Programme bieten zinsgunstige Kredite oder Zuschusse. Die Beantragung lauft uber Hausbanken oder direkt bei der KfW.
EEG-Vergutung
Die Einspeisevergutung nach dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) gilt bundesweit. Die aktuellen Vergutungssatze fur Solaranlagen finden sich auf der Website der Bundesnetzagentur.
Fur neue Anlagen gilt die Marktpramie. Die Hohe wird uber Ausschreibungen der Bundesnetzagentur bestimmt. Installateure sollten die aktuellen Ausschreibungstermine beachten.
Wind-Solar-Kombination
Schleswig-Holstein ist fuhrend in der Kombination von Wind- und Solarenergie. Diese Technologie wird zunehmend wichtiger fur den Energiesystem der Zukunft.
Hybridparks
Hybridparks kombinieren Windturbinen und Solarmodule auf demselben Gelande. Die Vorteile liegen auf der Hand:
- Bessere Flachennutzung — Mehr Energie pro Quadratmeter
- Komplementare Erzeugung — Wind im Winter, Solar im Sommer
- Geringere Netzkosten — Ein Anschluss statt zwei
- Stabilere Einspeisung — Weniger Schwankungen
Schleswig-Holstein hat mehrere Hybridparks in Betrieb. Weitere sind in Planung. Die Landesregierung fordert diese Technologie aktiv.
Netzentlastung
Die Kombination von Wind und Solar entlastet das Stromnetz. In Schleswig-Holstein ist das besonders wichtig. Das Land produziert oft mehr Strom als es verbraucht.
Durch die komplementare Erzeugung wird der Bedarf an Netzausbau reduziert. Das spart Kosten und beschleunigt den Ausbau erneuerbarer Energien.
Planungshilfen
Fur die Planung von Hybridprojekten gibt es spezielle Tools. Die Landesregierung bietet Beratung an. Auch E.ON unterstutzt Planer bei der technischen Umsetzung.
Wichtige Planungsaspekte sind:
- Verschattung durch Windturbinen auf Solarmodule
- Zugangswege fur Wartung beider Technologien
- Gemeinsame Netzanschlussinfrastruktur
- Genehmigungsverfahren fur beide Anlagenteile
Solarpflicht: Aktueller Stand
Schleswig-Holstein hat bisher keine landesweite Solarpflicht eingefuhrt. Die Landesregierung setzt auf freiwilligen Ausbau und Forderung.
Keine Pflicht, aber Forderung
Andere Bundeslander wie Baden-Wurttemberg oder Hamburg haben Solarpflichten eingefuhrt. Schleswig-Holstein folgt diesem Trend bisher nicht.
Stattdessen setzt das Land auf:
- Forderprogramme wie den Zukunftsfonds
- Beratungsangebote fur Burger und Unternehmen
- Vorbildfunktion der offentlichen Gebaude
- Unterstutzung von Energiegenossenschaften
Kommunale Initiativen
Einige Kommunen in Schleswig-Holstein gehen weiter. Sie empfehlen oder fordern Solaranlagen bei Neubauten. Diese Regelungen gelten jedoch nur lokal.
Installateure sollten bei jedem Projekt prufen, ob kommunale Vorschriften gelten. Die Bauamter der jeweiligen Gemeinde sind zustandig.
Zukunftsaussichten
Eine landesweite Solarpflicht ist in Schleswig-Holstein diskutiert worden. Die Landesregierung hat sich bisher dagegen entschieden. Sie begrundet dies mit der hohen freiwilligen Nachfrage.
Die Situation kann sich andern. Installateure sollten die politische Entwicklung beobachten. Eine Solarpflicht wurde die Nachfrage deutlich steigern.
Solarprojekte in Schleswig-Holstein planen?
SurgePV unterstutzt Sie bei der technischen Planung und Wirtschaftlichkeitsrechnung fur Solaranlagen im Norden.
Demo vereinbarenKostenlos · 20 Minuten · Individuelle Beratung
Besonderheiten fur Installateure
Schleswig-Holstein hat einige regionale Besonderheiten, die Installateure beachten sollten.
Kustennahe Standorte
Die Nord- und Ostseekuste pragen das Bundesland. Kustennahe Solaranlagen mussen besonderen Umweltbedingungen standhalten:
- Salzgehalt — Korrosionsgefahr fur Metallteile
- Sturmböen — Erhohte mechanische Belastung
- Sand — Verschmutzung der Module
- Feuchtigkeit — Erhohte Anforderungen an die Abdichtung
Die Wahl der richtigen Komponenten ist hier besonders wichtig. Module und Wechselrichter sollten fur marine Umgebungen geeignet sein.
Landwirtschaftliche Nutzung
Schleswig-Holstein ist agrarisch gepragt. Agri-PV-Anlagen, die Landwirtschaft und Solar kombinieren, gewinnen an Bedeutung.
Bei der Planung von Freiflachenanlagen auf landwirtschaftlichen Flachen sind zu beachten:
- Bodenqualitat und Fruchtfolge
- Wasserhaushalt der Flache
- Zugang fur Landmaschinen
- Genehmigungsverfahren nach BauGB
Die Landesregierung fordert Agri-PV-Projekte. Es gibt spezifische Richtlinien fur die doppelte Nutzung von Flachen.
Netzausbau
Der Netzausbau in Schleswig-Holstein schreitet voran. Neue Stromtrassen verbessern die Ubertragungskapazitat. Das ist wichtig fur den weiteren Ausbau von Solar und Wind.
Installateure sollten die Netzausbauprojekte im Blick behalten. Neue Leitungen konnen die Wirtschaftlichkeit von Projekten verbessern. Sie konnen aber auch Bauverzogerungen verursachen.
Fazit
Schleswig-Holstein bietet gute Bedingungen fur Solaranlagen. Der nordliche Standort ist kein Hindernis. Mit 900 bis 950 kWh/kWp pro Jahr sind wirtschaftliche Projekte moglich.
Das Bundesland ist Vorreiter bei der Kombination von Wind und Solar. Hybridparks nutzen die Starken beider Technologien. Die Landesregierung fordert diese Entwicklung aktiv.
Der Netzanschluss lauft uberwiegend bei E.ON Netz. Der Prozess folgt bundesweiten Standards. Besonderheiten gibt es durch die hohe Windenergie-Dichte.
Forderprogramme wie der Zukunftsfonds unterstutzen Projekte. Kommunale Programme und die KfW erganzen das Angebot. Eine landesweite Solarpflicht gibt es bisher nicht.
Fur Installateure ist Schleswig-Holstein ein attraktiver Markt. Die Kombination aus wachsender Nachfrage, Forderung und innovativen Technologien bietet Chancen.
Weiterfuhrende Informationen
Die aktuellen Forderbedingungen und Netzanschlussregeln andern sich regelmaßig. Prufen Sie vor jedem Projekt die aktuellen Vorschriften auf den Websites der zustandigen Behorden.