Agri-Photovoltaik (Agri-PV) verbindet Landwirtschaft mit Solarenergie. Auf deutschen Ackerflachen und in Weinbergen entstehen so doppelte Nutzflachen. Die rechtlichen Rahmenbedingungen sind komplex. Jede Anlage braucht eine Baugenehmigung. Die Hohenbegrenzungen variieren je nach Bundesland. Fordergelder vom BAFA und aus den Landern machen Projekte wirtschaftlich.
| Regelung | Landesbauordnungen / BAFA Innovationsprogramm |
| Hohe | 2,5–5 m je nach Bundesland und Kultur |
| Forderung | BAFA Innovationsprogramm, landerspezifische Programme |
| EEG | Gilt fur Agri-PV, Vergutung nach Anlagengröße |
| UVP | Ab 20 ha Freiflache (UVP-Verordnung) |
Doppelt genutzt, doppelt gewonnen
Agri-PV-Anlagen produzieren Strom und erhalten gleichzeitig die landwirtschaftliche Nutzung. Die Module schutzen Kulturen vor Hagel, Trockenstress und starker Sonneneinstrahlung. Landwirte erhalten eine zusatzliche Einnahmequelle durch Flachenmiete oder Eigenstrom.
Was ist Agri-PV?
Agri-Photovoltaik (Agri-PV) ist die gleichzeitige Nutzung von Flachen fur Landwirtschaft und Photovoltaik. Solarmodule werden uber oder zwischen landwirtschaftlichen Kulturen installiert. Der Boden bleibt landwirtschaftlich nutzbar.
Es gibt drei Haupttypen:
Erhohte Agri-PV: Module werden auf Stahlkonstruktionen in 2,5 bis 5 Meter Hohe montiert. Darunter fahren Traktoren, Mahdrescher und andere Maschinen. Dieser Typ eignet sich fur Ackerbau, Grunland und Gemuseanbau.
Reihen-Agri-PV: Module stehen in Reihen zwischen den Kulturen. Typisch fur Weinberge, Obstplantagen und Beerenanbau. Die Module stehen senkrecht oder leicht geneigt.
Dach-Agri-PV: Solarmodule auf bestehenden landwirtschaftlichen Gebauden wie Stalle, Hallen oder Trocknungsanlagen. Hier gilt die normale PV-Genehmigung.
Die Forschung am Fraunhofer ISE zeigt: Agri-PV kann den Ertrag bestimmter Kulturen verbessern. Tomaten, Salat und Wein profitieren vom Schatten der Module. Der Ertrag sinkt bei Getreide leicht, die Gesamtwirtschaftlichkeit steigt durch den Stromverkauf.
Rechtliche Rahmenbedingungen
Agri-PV unterliegt mehreren Rechtsgebieten. Die wichtigsten sind Bauordnung, Landwirtschaftsrecht, Energierecht und Umweltrecht.
Bauordnung
Jede Agri-PV-Anlage ist eine bauliche Anlage nach den Landesbauordnungen (LBO). Eine Baugenehmigung ist in der Regel erforderlich. Ausnahmen gibt es nur bei sehr kleinen Anlagen, die unter die Genehmigungsfreiheit fallen. Das ist bei Agri-PV selten der Fall, da die Module in mehreren Metern Hohe montiert werden.
Die Bauaufsichtsbehorde pruft:
- Standsicherheit der Konstruktion
- Abstandsflachen zu Nachbargrundstucken
- Brandschutz
- Hochwassergefahrdung
- Denkmalschutz
- Landschaftsbild
Landwirtschaftsrecht
Die landwirtschaftliche Nutzung muss erhalten bleiben. Das ist das Kernmerkmal von Agri-PV. Wenn die Flache aus der landwirtschaftlichen Nutzung genommen wird, gilt sie als Konversionsflache. Dann entfallt die Agri-PV-Qualifikation und die Forderfahigkeit.
Das Bundesministerium fur Ernahrung und Landwirtschaft (BMEL) fordert eine nachweisbare landwirtschaftliche Nutzung. Das kann durch:
- Maschinenfahrt unter den Modulen
- Bewirtschaftungsnachweise
- Ertragsdokumentation
Energierecht
Agri-PV-Anlagen fallen unter das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Die EEG-Vergutung gilt fur alle Anlagen, die Strom aus erneuerbaren Quellen erzeugen. Die Hohe der Vergutung hangt von der Anlagengröße ab.
Seit der EEG-Novelle 2023 gelten fur Freiflachenanlagen besondere Regeln. Agri-PV-Anlagen auf landwirtschaftlichen Flachen konnen unter bestimmten Bedingungen die volle EEG-Vergutung erhalten. Voraussetzung ist die dauerhafte landwirtschaftliche Nutzung.
Umweltrecht
Ab 20 Hektar Freiflache ist eine Umweltvertraglichkeitsprufung (UVP) nach der UVP-Verordnung erforderlich. Bei kleineren Anlagen kann eine Vorprufung durch die untere Naturschutzbehorde ausreichen.
Die UVP pruft Auswirkungen auf:
- Flora und Fauna
- Boden und Wasser
- Landschaftsbild
- Klima
Genehmigungsverfahren
Der Genehmigungsprozess fur Agri-PV ist mehrstufig. Landwirte sollten fruhzeitig mit den Behorden sprechen.
Schritt 1: Vorabgesprach mit der Bauaufsicht
Vor der Antragstellung empfiehlt sich ein Vorabgesprach mit dem Bauamt. Hier klaren sich viele Fragen:
- Ist die geplante Hohe zulassig?
- Welche Abstandsflachen gelten?
- Ist eine UVP erforderlich?
- Welche Unterlagen werden benotigt?
Schritt 2: Bauantrag einreichen
Der Bauantrag enthalt:
- Lageplan
- Bauzeichnungen
- Statischer Nachweis
- Verschattungsanalyse
- Nachweis der landwirtschaftlichen Nutzung
- UVP-Bescheid (falls erforderlich)
Die Bearbeitungszeit betragt typischerweise 2 bis 4 Monate. Bei komplexen Projekten oder Einspruchen kann es langer dauern.
Schritt 3: MaStR-Registrierung
Jede PV-Anlage muss im Marktstammdatenregister (MaStR) registriert werden. Die Registrierung ist kostenlos und online moglich. Sie muss vor Inbetriebnahme erfolgen.
Schritt 4: Netzanschluss beantragen
Der Netzbetreiber muss den Anschluss genehmigen. Agri-PV-Anlagen sind oft großer als Dachanlagen und erfordern einen Mittelspannungsanschluss. Die Wartezeit auf den Netzanschluss betragt aktuell 12 bis 24 Monate.
Hohenbegrenzungen und Abstandsflachen
Die zulassige Modulhohe ist je nach Bundesland unterschiedlich geregelt. Es gibt keine bundeseinheitliche Regelung.
| Bundesland | Max. Hohe | Besondere Regelungen |
|---|---|---|
| Baden-Wurttemberg | 3,0 m | Weinbau: bis 4,0 m mit Sondergenehmigung |
| Bayern | 3,5 m | Obstbau: bis 4,0 m moglich |
| Brandenburg | 4,0 m | Keine Beschrankung bei Grunland |
| Hessen | 3,0 m | Sonderregelung fur Weinberge in Planung |
| Niedersachsen | 3,5 m | Ackerbau: 3,0 m empfohlen |
| Nordrhein-Westfalen | 3,0 m | Hohenanpassung bei Nachweis landwirtschaftlicher Nutzung |
| Rheinland-Pfalz | 3,5 m | Weinbau: bis 5,0 m in Pilotprojekten |
| Sachsen | 3,0 m | Abweichung bei Baugenehmigung moglich |
| Sachsen-Anhalt | 4,0 m | Keine Einschrankung bei bestehenden Strukturen |
| Schleswig-Holstein | 3,5 m | Grunland: bis 4,5 m mit Genehmigung |
Die Hohenbegrenzungen sind ein Dauerthema in der Branche. Der Bundesverband Agri-Photovoltaik e.V. fordert eine bundeseinheitliche Regelung mit 5 Metern als Standard. Bisher haben sich die Lander nicht auf eine gemeinsame Linie verstandigt.
Abstandsflachen zu Nachbargrundstucken sind in den LBO geregelt. Typisch sind 3 Meter Abstand zur Grundstucksgrenze. Bei hoheren Anlagen kann die Abstandsflache großer sein.
Forderung: BAFA und Landesprogramme
Agri-PV-Projekte konnen aus mehreren Quellen gefordert werden.
BAFA Innovationsprogramm
Das Bundesamt fur Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) fordert Agri-PV-Projekte uber das Innovationsprogramm. Gefordert werden:
- Pilotprojekte zur Erprobung neuer Technologien
- Forschungsvorhaben zur Optimierung der landwirtschaftlichen Nutzung
- Investitionszuschusse fur innovative Anlagenkonzepte
Der Zuschuss betragt bis zu 30 Prozent der investiven Kosten. Voraussetzung ist ein innovativer Ansatz, der uber Standard-Agri-PV hinausgeht.
Landerspezifische Programme
Einige Bundeslander haben eigene Forderprogramme:
- Baden-Wurttemberg: Landesprogramm Agri-PV mit Zuschussen bis 500.000 EUR
- Bayern: Investitionszuschuss fur landwirtschaftliche Innovation
- Brandenburg: Forderung fur erneuerbare Energien auf landwirtschaftlichen Flachen
- Rheinland-Pfalz: Pilotprogramm Weinberg-PV
Die Programme andern sich haufig. Landwirte sollten die aktuellen Ausschreibungen auf den Webseiten der Landesministerien prufen.
EEG-Vergutung
Agri-PV-Anlagen erhalten die EEG-Vergutung. Die Hohe hangt von der Anlagengröße ab:
| Anlagengröße | EEG-Vergutung (ct/kWh) |
|---|---|
| Bis 750 kWp | ca. 8,5 |
| 750 kWp bis 10 MWp | ca. 7,0 |
| Uber 10 MWp | ca. 5,5 |
Die Vergutung wird jahrlich neu festgelegt. Die Werte gelten fur Anlagen, die im jeweiligen Jahr in Betrieb genommen werden.
Netzanschluss fur Agri-PV
Agri-PV-Anlagen sind meist großer als Dachanlagen. Der Netzanschluss ist entsprechend aufwandiger.
Niederspannung oder Mittelspannung
Kleine Agri-PV-Anlagen bis ca. 500 kWp konnen an das Niederspannungsnetz angeschlossen werden. Großere Anlagen brauchen einen Mittelspannungsanschluss. Das erfordert:
- Eine Trafostation
- Mittelspannungskabel
- Schutztechnik
Die Kosten fur den Mittelspannungsanschluss liegen bei 50.000 bis 200.000 EUR. Sie hangen von der Entfernung zum nachsten Mittelspannungsnetz ab.
Wartezeiten
Die Wartezeit auf den Netzanschluss ist derzeit das großte Problem. In vielen Regionen betragt sie 12 bis 24 Monate. In manchen Gebieten mit hoher PV-Dichte sind sogar langere Wartezeiten moglich.
Der Netzbetreiber pruft:
- Netzbelastbarkeit
- Notwendige Netzverstarkung
- Schutzkoordination
Eigenverbrauch
Landwirte konnen den produzierten Strom selbst verbrauchen. Das lohnt sich besonders bei:
- Stallbeleuchtung
- Milchkühlung
- Trocknungsanlagen
- Bewasserungspumpen
Der Eigenverbrauch reduziert den Strombezug aus dem Netz und senkt die Energiekosten.
Wirtschaftlichkeit fur Landwirte
Agri-PV bietet Landwirten mehrere Einnahmequellen.
Flachenmiete
Die typische Flachenmiete liegt bei 500 bis 1.500 EUR pro Hektar und Jahr. Die Hohe hangt ab von:
- Standortqualitat (Sonneneinstrahlung)
- Anlagengröße
- Vertragslaufzeit
- Bodenqualitat
Langfristige Vertrage mit 20 bis 30 Jahren Laufzeit sind ublich. Die Miete wird in der Regel jahrlich mit der Inflation angepasst.
Ertragsvorteile
Die Module schutzen die Kulturen:
- Hagelschutz: Die Module fangen Hagel ab. Das reduziert Ernteausfalle.
- Trockenstress: Der Schatten reduziert die Verdunstung. Das hilft bei Trockenperioden.
- Hitzeschutz: Bei extremen Temperaturen schutzt der Schatten vor Verbrennungen.
Bei Weinbau zeigen Studien des Fraunhofer ISE eine Ertragssteigerung von 5 bis 15 Prozent. Bei Gemuse kann der Ertrag sogar steigen, da die Pflanzen weniger Stress haben.
Stromverkauf
Der verkaufte Strom bringt zusatzliche Einnahmen. Bei einer 2-MWp-Anlage auf 3 Hektar ergeben sich bei aktuellen Vergutungssatzen ca. 120.000 bis 150.000 EUR Einnahmen pro Jahr.
Kosten
Die Investitionskosten fur Agri-PV liegen bei 800 bis 1.200 EUR pro kWp. Das ist mehr als bei Dachanlagen, da die Konstruktion aufwandiger ist.
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Fazit
Agri-Photovoltaik ist eine vielversprechende Technologie fur die deutsche Landwirtschaft. Sie kombiniert Stromproduktion mit landwirtschaftlicher Nutzung. Die rechtlichen Rahmenbedingungen sind komplex, aber beherrschbar.
Die wichtigsten Punkte auf einen Blick:
- Jede Agri-PV-Anlage braucht eine Baugenehmigung nach der Landesbauordnung
- Die zulassige Modulhohe variiert je nach Bundesland zwischen 2,5 und 5 Metern
- Fordergelder vom BAFA und aus den Landern verbessern die Wirtschaftlichkeit
- Der Netzanschluss ist bei großen Anlagen aufwandiger und dauert langer
- Landwirte profitieren von zusatzlichen Einnahmen und Ertragsvorteilen
Wer eine Agri-PV-Anlage plant, sollte fruhzeitig mit der Bauaufsicht sprechen. Ein professioneller Planer hilft bei der Antragstellung und der technischen Umsetzung. Die Kombination aus Forderung, EEG-Vergutung und Flachenmiete macht Agri-PV zu einer attraktiven Investition fur landwirtschaftliche Betriebe.