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Eigenverbrauchsquote

Der prozentuale Anteil der selbst erzeugten Solarenergie, der direkt im eigenen Haushalt oder Betrieb verbraucht wird — als Kennzahl für die Effizienz der PV-Nutzung.

16 Min. Lesezeit
Rainer Neumann

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Rainer Neumann

Editorial contributor · SurgePV

Nirav Dhanani

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Nirav Dhanani

Co-Founder · SurgePV

Kurzantwort

Der prozentuale Anteil der selbst erzeugten Solarenergie, der direkt im eigenen Haushalt oder Betrieb verbraucht wird — als Kennzahl für die Effizienz der PV-Nutzung.

Auf einen Blick

  • Die Eigenverbrauchsquote gibt an, wie viel Prozent der erzeugten PV-Energie direkt vor Ort verbraucht wird — also der Anteil an der Produktion, nicht am Gesamtverbrauch.
  • Sie ist nicht dasselbe wie der Autarkiegrad: Die Eigenverbrauchsquote misst Produktionseffizienz, der Autarkiegrad misst Netzunabhängigkeit.
  • Typische Werte ohne Batteriespeicher: 25–40 % für Privathaushalte; mit Speicher: 60–75 %.
  • Eine sehr hohe Eigenverbrauchsquote (über 85 %) ohne Speicher ist oft ein Hinweis auf eine zu klein dimensionierte Anlage.
  • Ob eine hohe Quote das richtige Ziel ist, hängt vom Verhältnis Strompreis zu Einspeisevergütung ab — bei 0,30 €/kWh vs. 0,082 €/kWh ist jede selbst verbrauchte kWh rund 0,22 € mehr wert als eine eingespeiste.
  • Schaltbare Verbraucher (Waschmaschine, Geschirrspüler, Wallbox) während der Solarstunden steigern die Quote ohne Speicher um 8–15 Prozentpunkte.
  • Im Angebot sollten stets beide Kennzahlen ausgewiesen werden: Eigenverbrauchsquote und Autarkiegrad erzählen verschiedene, sich ergänzende Geschichten.

Was ist die Eigenverbrauchsquote?

Die Eigenverbrauchsquote ist eine Leistungskennzahl für PV-Anlagen. Sie gibt an, welcher Anteil des erzeugten Solarstroms direkt vor Ort genutzt wird — also bevor der verbleibende Überschuss ins öffentliche Netz fließt. Die Formel ist einfach: Eigenverbrauch in kWh geteilt durch PV-Gesamtproduktion in kWh, multipliziert mit 100.

Was die Kennzahl beim ersten Lesen schwierig macht: Im deutschen Sprachraum werden Eigenverbrauch, Eigenverbrauchsquote und Autarkiegrad häufig durcheinander verwendet. Eigenverbrauch ist eine absolute Größe (kWh), die Eigenverbrauchsquote ist ein relativer Anteil an der Produktion, und der Autarkiegrad ist ein relativer Anteil am Gesamtstromverbrauch. Alle drei Größen hängen zusammen, messen aber unterschiedliche Aspekte.

Die Eigenverbrauchsquote beantwortet die Frage: Wie gut passt meine Anlage zu meinem Lastprofil? Sie ist damit eine Kennzahl für die Qualität der Systemauslegung — nicht für den wirtschaftlichen Gesamtnutzen.

Hier liegt ein häufiges Missverständnis: Eine hohe Eigenverbrauchsquote wirkt intuitiv gut. Wer 90 % des erzeugten Stroms selbst verbraucht, scheint sein System optimal zu nutzen. In Wirklichkeit kann das bedeuten, dass die Anlage zu klein ist — alle 90 % werden verbraucht, weil kaum Überschuss entsteht. Eine größere Anlage hätte eine niedrigere Quote, würde aber in absoluten Zahlen mehr Solarstrom liefern und mehr Kosten sparen.

In der Praxis ist eine Eigenverbrauchsquote von 100 % kein Erfolgssignal — sie zeigt, dass die Anlage jeden erzeugten kWh sofort aufbraucht, weil nicht genug produziert wird. Das Ziel ist nicht, die Quote zu maximieren, sondern die Gesamtersparnis über die Anlagenlebensdauer. Das bedeutet manchmal: eine größere Anlage mit niedrigerer Quote, die in absoluten Zahlen mehr bringt. Wer Kunden ausschließlich auf die Eigenverbrauchsquote optimiert, berät unter Umständen gegen deren finanziellen Interessen.

Formel und Rechenbeispiel

Eigenverbrauchsquote
Eigenverbrauchsquote (%) = (Eigenverbrauch kWh / PV-Produktion kWh) × 100
Einspeisequote (Gegenwert)
Einspeisequote (%) = 100 % − Eigenverbrauchsquote (%)
Was nicht selbst verbraucht wird, wird eingespeist

Ein Rechenbeispiel: Eine 8-kWp-Anlage in Freiburg produziert 7.600 kWh im Jahr. Der Haushalt verbraucht davon 2.660 kWh direkt (der Rest fließt ins Netz). Die Eigenverbrauchsquote beträgt 2.660 / 7.600 × 100 = 35 %. Die Einspeisequote liegt entsprechend bei 65 %.

Eigenverbrauchsquote und Autarkiegrad — Zusammenhang

Diese beiden Kennzahlen werden oft verwechselt, weil sie aus denselben Grunddaten entstehen. Ein konkretes Zahlenbeispiel macht den Unterschied deutlich.

Beispiel: Vierköpfiger Haushalt, Jahresverbrauch 5.000 kWh. Eine 10-kWp-Anlage produziert 10.000 kWh/Jahr. Der Eigenverbrauch (ohne Speicher) beträgt 3.500 kWh — der Haushalt nutzt 3.500 der produzierten 10.000 kWh direkt.

Kennzahl Formel Ergebnis
PV-Produktion — 10.000 kWh/Jahr
Jahresverbrauch — 5.000 kWh/Jahr
Eigenverbrauch — 3.500 kWh/Jahr
Einspeisung ins Netz 10.000 − 3.500 6.500 kWh/Jahr
Netzbezug 5.000 − 3.500 1.500 kWh/Jahr
Eigenverbrauchsquote 3.500 / 10.000 × 100 35 %
Autarkiegrad 3.500 / 5.000 × 100 70 %

Beide Kennzahlen beschreiben dieselbe Situation — nur aus unterschiedlicher Perspektive. Die Eigenverbrauchsquote (35 %) sagt: Von allem, was die Anlage erzeugt, wird ein Drittel direkt genutzt. Der Autarkiegrad (70 %) sagt: Sieben von zehn kWh des jährlichen Strombedarfs kommen von der eigenen Anlage.

Die Solarplanungssoftware zeigt beide Werte für jede Konfiguration — mit und ohne Speicher, für jedes Lastprofil.

Typische Eigenverbrauchsquoten

Haushalt & Konfiguration PV-Produktion Eigenverbrauch Eigenverbrauchsquote Autarkiegrad
2 Personen, 5 kWp, kein Speicher 5.000 kWh 2.000 kWh 40 % 40 %
4 Personen, 10 kWp, kein Speicher 10.000 kWh 3.000 kWh 30 % 60 %
4 Personen, 10 kWp + 10 kWh Speicher 10.000 kWh 7.000 kWh 70 % 140 %*
Bürogebäude, 50 kWp, kein Speicher 45.000 kWh 36.000 kWh 80 % 30 %
Landwirtschaft, 30 kWp, kein Speicher 27.000 kWh 23.000 kWh 85 % 58 %

*Der Autarkiegrad kann rechnerisch 100 % übersteigen, wenn Eigenverbrauch + Speicherzuführung den Gesamtverbrauch übersteigen. In der Realität ist der Autarkiegrad auf 100 % gedeckelt — das heißt, der Haushalt deckt seinen Bedarf vollständig und hat zusätzlichen PV-Überschuss zur Einspeisung. Ein rechnerischer Autarkiegrad über 100 % zeigt, dass die Anlage deutlich überdimensioniert ist: Sie produziert mehr als der Haushalt im Jahr verbrauchen kann. Das ist kein Fehler, kann aber ein Hinweis auf suboptimale Systemgröße sein — je nach Einspeisestrategie.

Was beeinflusst die Eigenverbrauchsquote?

1

Lastprofil und Anwesenheitsstunden

Der stärkste Einzelfaktor. Ein Haushalt, in dem tagsüber jemand zu Hause ist (Homeoffice, Rentner, Kleinkinder), erzielt ohne Speicher 35–45 % Eigenverbrauchsquote. Ein Berufstätigenhaushalt, der morgens und abends verbraucht, kommt auf 15–25 %. Die Übereinstimmung zwischen Produktionspeak (Mittag) und Verbrauchspeak (früh und abends) ist der entscheidende Hebel.

2

Anlagengröße relativ zum Verbrauch

Eine kleinere Anlage erzeugt weniger als der Haushalt verbrauchen kann — die Quote ist hoch, weil jede produzierte kWh sofort genutzt wird. Eine größere Anlage erzeugt mittags Überschüsse, die ins Netz fließen — die Quote sinkt. Als Faustformel: Die Jahresproduktion sollte 80–120 % des Jahresverbrauchs betragen, damit Quote und Autarkiegrad in einem sinnvollen Verhältnis stehen.

3

Batteriespeicher

Ein Speicher verschiebt den Mittagsüberschuss in die Abend- und Nachtstunden. Das steigert die Eigenverbrauchsquote typisch von 30 % auf 60–70 %. Die optimale Speichergröße liegt bei 0,8–1,2 kWh pro kWp — größere Einheiten bringen kaum noch Zusatznutzen, weil der Speicher an vielen Wintertagen nicht vollständig geladen wird.

4

Schaltbare Verbraucher (Lastmanagement)

Wer Waschmaschine, Geschirrspüler und Warmwasserbereitung in die Mittagszeit legt, steigert die Eigenverbrauchsquote ohne Speicher um 8–15 Prozentpunkte. Ein Home Energy Management System (HEMS) automatisiert diese Verschiebung. Wallboxen für Elektroautos sind besonders effektiv: Ein EV mit 15.000 km/Jahr zieht rund 2.700–3.000 kWh — wenn 70 % davon tagsüber aus der PV geladen werden, steigt der Eigenverbrauch um fast 2.000 kWh.

5

Standort und Jahreszeiten

Im Sommer produziert eine Anlage in Süddeutschland ein Vielfaches des Haushaltsbedarfs — die Eigenverbrauchsquote sinkt, weil große Mengen eingespeist werden. Im Winter ist die Produktion gering, die Quote steigt, aber der absolute Eigenverbrauch in kWh ist niedrig. Die Jahres-Eigenverbrauchsquote ist ein Mittelwert über diese saisonalen Schwankungen.

Optimale Eigenverbrauchsquote — was ist das Ziel?

Es gibt keine universelle Zielquote. Die richtige Eigenverbrauchsquote hängt vom Anwendungsfall ab.

Zu hoch (>85 % ohne Speicher)

System wahrscheinlich zu klein

Wer alles verbraucht, was er erzeugt, produziert zu wenig. Eine größere Anlage hätte eine niedrigere Quote, aber mehr absoluten Eigenverbrauch und höhere Gesamtersparnis — auch wenn ein größerer Anteil eingespeist wird.

Optimal (55–75 % mit Speicher)

Gutes Gleichgewicht

Anlage ist ausreichend groß für spürbare Netzunabhängigkeit. Der Speicher schöpft den Tagesüberschuss ab. Finanziell und praktisch die effizienteste Konfiguration für Privathaushalte.

Zu niedrig (<25 % ohne Speicher)

Anlage überdimensioniert oder Lastprofil passt nicht

Ein großer Anteil der Produktion wird zu 0,082 €/kWh eingespeist, statt 0,30 €/kWh Strombezug zu ersetzen. Speicher oder Lastmanagement können die Quote deutlich verbessern.

Wichtig

Eine Eigenverbrauchsquote von 100 % bedeutet, dass die Anlage zu klein ist — Sie verbrauchen buchstäblich alles, was Sie erzeugen. Das ist zwar effizient, aber eine größere Anlage würde in den meisten Fällen mehr Gesamtersparnisse erzielen, auch wenn die Quote sinkt.

Eigenverbrauchsquote im Angebot — welche Zahl nennen?

In Kundenangeboten sollten stets beide Kennzahlen stehen — und beide kurz erklärt werden. Die Eigenverbrauchsquote allein ist für Laien schwer einzuordnen. Ein Satz, der in Angeboten gut funktioniert:

“Von Ihrem Solarstrom verbrauchen Sie 38 % selbst (Eigenverbrauchsquote). Damit decken Sie 65 % Ihres Gesamtstrombedarfs (Autarkiegrad).”

Das gibt dem Kunden zwei verschiedene Perspektiven auf denselben Sachverhalt. Die Eigenverbrauchsquote zeigt, wie gut das System zur Verbrauchsstruktur passt. Der Autarkiegrad zeigt, wie unabhängig der Kunde vom Netz ist — das ist die emotionalere Zahl.

Für die wirtschaftliche Gegenüberstellung empfiehlt sich zusätzlich die Angabe der absoluten Eigenverbrauchsmenge in kWh und die daraus resultierende Jahresersparnis in Euro. Die Wirtschaftlichkeitsrechnung berechnet diese Werte für jede Anlagenkonfiguration.

Pro Tipp für Angebote

Weisen Sie im Angebot drei Szenarien aus: (1) PV ohne Speicher, (2) PV mit Speicher, (3) PV mit Speicher und Lastmanagement. Zeigen Sie für jedes Szenario Eigenverbrauchsquote, Autarkiegrad und Jahresersparnis. Kunden entscheiden sich häufig für Option 2 oder 3, wenn sie den Unterschied in Euro sehen — nicht nur in Prozent.

Praktische Hinweise

  • Beide Kennzahlen in jeden Ertragsbericht aufnehmen. Eigenverbrauchsquote und Autarkiegrad liefern unterschiedliche Botschaften. Wer nur eine Zahl ausweist, erzählt eine unvollständige Geschichte. Die Solarplanungssoftware berechnet beide automatisch für jede Konfiguration.
  • Den Zielkonflikt zwischen Systemgröße und Quote modellieren. Zeigen Sie dem Kunden, wie sich die Eigenverbrauchsquote verändert, wenn die Anlagengröße steigt — und wie die absolute Ersparnis trotzdem wächst. Das verhindert die falsche Intuition, eine hohe Quote sei automatisch das Ziel.
  • Stündliche Produktions- und Verbrauchsprofile anzeigen. Eine aggregierte Jahresdarstellung verbirgt die saisonale Varianz. Ein Stundenprofil zeigt klar, wann und warum Einspeisung entsteht — das ist die Grundlage für sinnvolle Speicher- und Lastmanagementempfehlungen.
  • Wirtschaftliche Optimierung über die Systemgröße hinaus denken. Die Wirtschaftlichkeitsrechnung sollte nicht nur die Anlage, sondern auch Speichergröße, Lastmanagement und EV-Ladung als Variable enthalten. So entsteht das Systemdesign, das die Gesamtersparnis maximiert — nicht die Quote.
  • Monitoring auf Eigenverbrauchsquote konfigurieren. Richten Sie bei der Inbetriebnahme das Monitoring so ein, dass der Kunde Eigenverbrauch, Einspeisung und Netzbezug täglich einsehen kann. Viele Wechselrichterportale zeigen die Eigenverbrauchsquote als eigene Kennzahl — aktivieren Sie diese Ansicht.
  • Drei Monate nach Inbetriebnahme prüfen. Vergleichen Sie die reale Eigenverbrauchsquote mit der simulierten. Weicht sie um mehr als 10 Prozentpunkte ab, liegt meist ein Messproblem (falsch positionierter CT-Klemme) oder ein unerwartetes Lastprofil vor. Eine frühe Diagnose verhindert spätere Kundenreklamationen.
  • Verhaltenstipps beim Kunden hinterlassen. Ein einfaches Merkblatt (“Waschmaschine mittags starten”, “Spülmaschine mit Zeitschaltuhr auf 12–14 Uhr”) kann die Eigenverbrauchsquote eines Pendlerhaushalts ohne weitere Investitionen um 8–12 Prozentpunkte steigern. Das ist Service, der Weiterempfehlungen erzeugt.
  • Zählerkonfiguration dokumentieren. Für eine korrekte Eigenverbrauchsmessung muss der Einspeisezähler am Netzanschluss sitzen, nicht zwischen Wechselrichter und Verbrauchern. Dokumentieren Sie die Messpunkte bei der Inbetriebnahme — das vereinfacht spätere Audits.
  • Autarkiegrad emotional verkaufen, Eigenverbrauchsquote als Qualitätsnachweis nutzen. Der Autarkiegrad (“Sie decken 70 % Ihres Strombedarfs selbst”) spricht das Gefühl der Unabhängigkeit an. Die Eigenverbrauchsquote (“Wir haben die Anlage so dimensioniert, dass Sie 38 % des erzeugten Stroms direkt nutzen”) zeigt Planungsqualität. Beide Zahlen gehören ins Gespräch.
  • Den Einwand “Aber ich will alles selbst verbrauchen” adressieren. Eine Quote von 100 % klingt gut, bedeutet aber: Die Anlage ist zu klein. Erklären Sie, dass eine größere Anlage zwar einen niedrigeren Prozentwert hat, aber mehr absolute kWh selbst verbraucht und mehr Geld spart — auch wenn ein Teil eingespeist wird.
  • Die Eigenverbrauchsquote als Langzeit-Absicherung framen. Bei steigenden Strompreisen wächst der Wert jeder selbst verbrauchten kWh automatisch. Die Einspeisevergütung ist fix (für 20 Jahre), der ersparte Strompreis steigt mit der Inflation. Wer heute 38 % Eigenverbrauchsquote hat, profitiert überproportional von künftigen Strompreissteigerungen.
  • Speicher nicht als Zusatzprodukt, sondern als Quotenhebel positionieren. “Mit dem Speicher steigt Ihre Eigenverbrauchsquote von 32 % auf 67 % — und damit Ihre jährliche Ersparnis von 680 € auf 1.420 €.” Das ist ein anderes Gespräch als “Wollen Sie auch einen Speicher dazu?”

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SurgePV berechnet beide Kennzahlen für jede Anlagenkonfiguration — mit und ohne Speicher, für jeden Standort in Deutschland.

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Praxisbeispiele

Bürogebäude Stuttgart: Tagsüber hohe Last

Ein mittelständisches IT-Unternehmen in Stuttgart installiert 35 kWp auf dem Flachdach des Bürogebäudes. Die Anlage produziert rund 31.500 kWh/Jahr. Der Betrieb arbeitet von 7:00 bis 18:00 Uhr — Klimaanlage, Server, Bildschirme und Beleuchtung laufen in genau den Stunden, in denen die PV-Anlage produziert.

Kennzahl Wert
PV-Jahresertrag 31.500 kWh
Jahresverbrauch Büro 75.000 kWh
Eigenverbrauch 27.300 kWh
Eigenverbrauchsquote 87 %
Autarkiegrad 36 %
Einspeisevergütung (4.200 kWh × 0,082 €) 344 €/Jahr
Ersparnis Eigenverbrauch (0,27 €/kWh Gewerbestrom) 7.371 €/Jahr
Gesamtentlastung 7.715 €/Jahr

Bürogebäude mit normalen Bürozeiten erzielen ohne Speicher Eigenverbrauchsquoten von 80–90 %, weil die Produktions- und Verbrauchszeiten exakt überlappen. Eine Batterie bringt hier wenig Zusatznutzen — der Betrieb ist abends nicht vor Ort. Entscheidend ist hier die Systemgröße: Eine größere Anlage würde die Quote senken, aber mehr absolute kWh erzeugen und mehr sparen.

Einfamilienhaus Hamburg: Pendlerhaushalt ohne und mit Speicher

Familie Brandt in Hamburg — beide Elternteile berufstätig, Kinder in der Schule — installiert 9,5 kWp auf dem Südwestdach. Jahresproduktion: rund 8.800 kWh. Jahresverbrauch: 4.800 kWh. Ohne Speicher liegt die Eigenverbrauchsquote bei 22 %, weil tagsüber niemand zu Hause ist.

Szenario Eigenverbrauch Eigenverbrauchsquote Autarkiegrad Jahresersparnis
Ohne Speicher 1.936 kWh 22 % 40 % 581 €/Jahr
Mit 9 kWh Speicher 5.808 kWh 66 % 121 %* 1.742 €/Jahr
Mit Speicher + Wallbox (EV) 7.480 kWh 85 % 100 % 2.244 €/Jahr

*Rechnerisch über 100 % = Anlage produziert mehr als Haushalt jährlich verbraucht, Überschuss wird eingespeist.

Der Speicher verdreifacht die Eigenverbrauchsquote. Die Wallbox als dritte Stufe schöpft den verbleibenden Sommerüberschuss ab. Für Pendlerhaushalte ist dieser Dreistufenansatz — PV, Speicher, Wallbox — die wirtschaftlich stärkste Konfiguration.

Landwirtschaft Bayern: Rund-um-die-Uhr-Verbrauch bei Geflügelhaltung

Ein Geflügelbetrieb in Niederbayern installiert 28 kWp auf dem Stallgebäude. Lüftung, Heizung, Beleuchtung und Tränken laufen 24 Stunden täglich — der Betrieb hat kaum Lastspitzen, sondern einen gleichmäßigen Grundverbrauch von rund 65.000 kWh/Jahr.

Kennzahl Wert
PV-Jahresertrag 25.200 kWh
Jahresverbrauch 65.000 kWh
Eigenverbrauch 21.420 kWh
Eigenverbrauchsquote 85 %
Autarkiegrad 33 %
Einspeisung 3.780 kWh
Einspeisevergütung 310 €/Jahr
Ersparnis Eigenverbrauch (0,24 €/kWh Agrartarif) 5.141 €/Jahr
Gesamtentlastung 5.451 €/Jahr

Landwirtschaftliche Betriebe mit Dauerlast erzielen sehr hohe Eigenverbrauchsquoten, weil jede produzierte kWh unmittelbar in den Betrieb fließt — auch nachts, wenn Grundlasten wie Lüftung und Kühlung weiterlaufen. Der Autarkiegrad ist niedrig, weil der Jahresverbrauch so hoch ist, dass selbst eine große Anlage nur einen kleinen Anteil davon deckt. Eine Solarplanungssoftware mit landwirtschaftlichen Lastprofilen kann hier die optimale Dimensionierung ermitteln.

Häufig gestellte Fragen

Was ist eine gute Eigenverbrauchsquote?

Für einen Privathaushalt ohne Speicher gelten 30–45 % als gut dimensioniert. Mit Batteriespeicher liegt ein guter Wert bei 60–75 %. Gewerbebetriebe mit hohem Tagesverbrauch können ohne Speicher 70–90 % erreichen. Wichtiger als die absolute Zahl ist das Verhältnis: Eine hohe Quote bei kleiner Anlage kann bedeuten, dass die Anlage zu klein ist. Die Gesamtersparnis in Euro ist aussagekräftiger als die Quote allein.

Was ist der Unterschied zwischen Eigenverbrauchsquote und Autarkiegrad?

Die Eigenverbrauchsquote beschreibt die Produktionsseite: Wie viel Prozent des erzeugten Solarstroms wird selbst genutzt? Der Autarkiegrad beschreibt die Verbrauchsseite: Wie viel Prozent des gesamten Strombedarfs deckt die PV-Anlage? Beide Kennzahlen basieren auf derselben Zahl — dem Eigenverbrauch in kWh — teilen diesen aber durch verschiedene Bezugsgrößen. Beim selben Eigenverbrauch sinkt die Eigenverbrauchsquote, wenn die Anlage größer wird; der Autarkiegrad bleibt gleich.

Wie kann ich meine Eigenverbrauchsquote erhöhen?

Die drei wirksamsten Maßnahmen: (1) Batteriespeicher installieren — steigert die Quote von typisch 30 % auf 60–70 %. (2) Schaltbare Verbraucher in die Mittagszeit verlagern (Waschmaschine, Geschirrspüler, Warmwasser) — bringt ohne Speicher 8–15 Prozentpunkte. (3) Elektroauto tagsüber aus der PV laden — kann den Eigenverbrauch fast verdoppeln. Eine kleinere Anlage erhöht die Quote ebenfalls, ist aber in den meisten Fällen wirtschaftlich nicht sinnvoll.

Warum sinkt die Eigenverbrauchsquote im Sommer?

Im Sommer produziert eine PV-Anlage in Deutschland zwei bis dreimal mehr Strom als im Winter. Der Haushalt verbraucht aber ungefähr gleich viel — oder sogar weniger (keine Heizung). Das Ergebnis: Im Sommer entsteht ein großer Mittagsüberschuss, der ins Netz fließt, und die Eigenverbrauchsquote sinkt auf 15–25 %. Im Winter ist die Produktion gering, nahezu alles wird direkt verbraucht — die Quote steigt auf 60–80 %, aber der absolute Eigenverbrauch in kWh ist viel kleiner. Ein Jahreswert mittelt diese Schwankungen.

Wird die Eigenverbrauchsquote vom Netzbetreiber gemessen?

Nein. Der Netzbetreiber misst nur die Einspeisung ins Netz (am Einspeisezähler) und den Netzbezug (am Bezugszähler). Die Eigenverbrauchsquote ergibt sich rechnerisch: PV-Produktion minus Einspeisung ergibt den Eigenverbrauch; dieser geteilt durch die Gesamtproduktion ist die Quote. Die PV-Produktion wird am Wechselrichter gemessen. Für eine genaue Berechnung sind also Wechselrichter-Monitoring und Einspeisezähler-Daten notwendig — beide sollten bei der Inbetriebnahme korrekt konfiguriert werden.

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Rainer Neumann
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Editorial contributor · SurgePV

Rainer Neumann is credited as an editorial contributor on SurgePV content. This profile does not assert engineering credentials, project totals, software-testing experience, education, speaking engagements, or media citations because independent verification evidence is not retained in the publication record.

Editor
Nirav Dhanani
Nirav Dhanani

Co-Founder · SurgePV

Nirav Dhanani is identified by SurgePV as a company co-founder. His SurgePV author page lists only role information that can be tied to the public profile below; credentials, project totals, conversion results, and market-expansion claims are not asserted without retained evidence.

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