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Verschattungsanalyse

Systematische Bewertung von Verschattungsverlusten auf einer Solaranlage durch Simulation verschiedener Schatten-Szenarien über den Jahresverlauf.

Aktualisiert Apr. 2026 5 Min. Lesezeit
Akash Hirpara

Verfasst von

Akash Hirpara

Co-Founder · SurgePV

Rainer Neumann

Redigiert von

Rainer Neumann

Content Head · SurgePV

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Die Verschattungsanalyse quantifiziert, wie viel Jahresertrag eine PV-Anlage durch Schatten verliert — als Grundlage für Standortentscheidung, Modulpositionierung und Systemauslegung.
  • Typische Verschattungsverluste liegen bei 2–5 % (gut geplante Anlagen) bis über 25 % (ungünstige Bebauung) — ein Unterschied, der über Wirtschaftlichkeit oder Verlust entscheidet.
  • Nahverschattung (Objekte unter 100 m) und Fernverschattung (Horizont) müssen getrennt analysiert werden — sie erfordern unterschiedliche Methoden und beeinflussen die Anlage auf verschiedene Weise.
  • Ein einziges verschattetes Modul kann durch die Reihenschaltung im String den Ertrag des gesamten Strings auf dessen Niveau senken — Bypass-Dioden begrenzen den Schaden, eliminieren ihn aber nicht vollständig.
  • Seit dem Solarpaket I (2024) ist für EEG-geförderte Anlagen die Ertragssimulation inklusive Verschattungsberechnung dokumentationspflichtig.
  • Moderne Software wie die Verschattungsanalyse-Software von SurgePV berechnet Horizont, 3D-Verschattung und Stringleveloptimierung in einem Arbeitsgang — ein separates Spezialtool ist nicht mehr nötig.
  • Die Analyse zahlt sich selbst: Kostet die Analyse 1–3 Stunden Planungszeit, können Korrekturen am Modulfeld 10–20 Jahre lang Mehrertrag sichern.

Was ist eine Verschattungsanalyse?

Die Verschattungsanalyse ist die systematische Erfassung und Quantifizierung aller Schattenwürfe, die auf eine geplante oder bestehende Photovoltaikanlage einwirken. Sie simuliert den Sonnenstand für jeden Stunde des Jahres am genauen Standort und berechnet, wann welche Fläche des Modulfelds von welchem Objekt überschattet wird — und was das an Energieertrag kostet.

Das Ergebnis ist eine Zahl: der jährliche Verschattungsverlust in Prozent des theoretischen Ertrags. Eine gut gestaltete Freiflächenanlage in Bayern kommt auf 1–3 %. Ein Hausdach in einem dicht bebauten Berliner Innenstadtkiez mit Schornsteinen, Dachgauben und benachbarten Mehrfamilienhäusern kann 15–30 % erreichen — und dann ist die Frage nicht mehr “Wie optimieren wir?”, sondern “Lohnt sich der Standort überhaupt?”

Die Verschattungsanalyse ist kein optionales Zusatzdokument. Sie ist die einzige Methode, um vor dem ersten gesetzten Modul zu wissen, ob eine Anlage wirtschaftlich ist. Jede Stunde, die man in die Analyse investiert, spart zehn Jahre Unterertrag.

Die Analyse ist Teil jeder seriösen PV-Planung und wird in der Praxis durch zwei unterschiedliche Ansätze abgedeckt: die Horizontlinienanalyse für Fernverschattung und die 3D-Modellsimulation für Nahverschattung. Beide zusammen ergeben ein vollständiges Bild.

Nahverschattung vs. Fernverschattung

Die wichtigste konzeptionelle Unterscheidung in der Verschattungsanalyse ist die Trennung zwischen zwei grundlegend verschiedenen Phänomenen.

Nahverschattung

Objekte im Nahbereich

Schattenwürfe durch Hindernisse innerhalb von etwa 100 Metern: Schornsteine, Dachaufbauten, Antennen, Lüftungsanlagen, Bäume, Nachbargebäude, Brüstungen. Nahverschattung trifft oft nur Teile des Modulfelds und variiert stark je nach Tageszeit und Jahreszeit. Sie erfordert ein dreidimensionales Modell des Umfelds.

Fernverschattung

Horizont und Topografie

Schattenwürfe durch entfernte Strukturen: Berge, Hügel, Wälder, Gebäude am Horizont. Fernverschattung betrifft das gesamte Modulfeld gleichzeitig und wirkt vor allem morgens und abends sowie im Winter, wenn der Sonnenstand tief ist. Sie wird durch Horizontlinienmessung oder GPS-basierte Daten erfasst.

In der Praxis überlagern sich beide Effekte. Ein Hausdach am Stadtrand hat sowohl Schornsteine auf dem eigenen Haus (Nah) als auch eine Häuserreihe im Osten, die den Morgen beschattet (Fern). Beide müssen in die Simulation einfließen.

Häufige Verschattungsquellen in Deutschland

1

Schornsteine und Lüftungsanlagen

Klassische Nahverschatter auf Wohngebäuden. Ein 1,5 m hoher Schornstein auf einem 10°-Dach wirft je nach Ausrichtung von Dezember bis Februar täglich 1–3 Stunden Schatten auf die direkt dahinter liegende Modulreihe. Bei 0,8 m Abstand können das 8–12 % lokaler Ertragsausfall sein.

2

Bäume

Unterschätzte Langzeitgefahr: Ein Baum, der heute 4 Meter hoch ist und 10 Meter vom Modulfeld entfernt steht, kann in 15 Jahren auf 12 Meter gewachsen sein — und dann erhebliche Flächen beschatten. Laubbäume verschatten im Winter auch mit kahlen Ästen (bis zu 30 % der Blattfläche). In der Analyse muss der prognostizierte Wuchs berücksichtigt werden.

3

Nachbargebäude

Besonders kritisch bei Ostwest-Ausrichtung oder bei Grundstücken, bei denen Bebauungspläne zukünftige Aufstockungen erlauben. Ein fünfstöckiges Gebäude 15 Meter südlich einer Anlage in Hamburg kann die komplette Wintermittagssonne abschneiden.

4

Dachaufbauten und Antennen

Antennenmasten, Klimaanlagen, Satellitenempfänger — oft klein, aber präzise schattengebend. Durch ihre Form werfen sie schmale, konzentrierte Schatten, die bei ungünstiger Lage zur Modulreihung exakt auf Stringgrenzen fallen und den Ertragsschaden überproportional verstärken.

5

Eigenabschattung im Modulfeld

Bei mehrreihigen Anlagen auf Flachdächern oder Freiflächen beschatten die vorderen Modulreihen die hinteren — besonders im Winter bei flachem Sonnenstand. Die Reihenabstandsberechnung (häufig: 2,5–3-fache Modulhöhe) ist Teil jeder korrekten Freiflächenplanung.

Methoden der Verschattungsanalyse im Vergleich

MethodeGenauigkeitAufwandTypischer Einsatz
Horizontlinienmessung (Kompass + Neigungsmesser)MittelGeringEinfache Freiflächenanlagen, ländliche Standorte
Fisheye-Kamera (Hemisphärenfoto)HochMittelGenaue Vor-Ort-Analyse, Altbestandsbewertung
3D-Modellsimulation (Software)Sehr hochMittel–hochAlle Dachanlagen, Gewerbe, Bebauung im Umfeld
Drohnenbefliegung + PhotogrammetrieSehr hochHochFreifläche, komplexe Umgebung, Großprojekte
Satellitendaten (Solargis, PVGIS)MittelSehr geringVorstudie, schnelle Potenzialschätzung

Für die Mehrzahl der deutschen Wohn- und Gewerbeprojekte ist die 3D-Simulation in Kombination mit standortgenauen Horizontdaten die Methode der Wahl. Tools wie SurgePV, PVsyst und PVGIS unterstützen alle drei Eingabewege.

Die Formel: Abschattungswinkel berechnen

Der Abschattungswinkel gibt an, ab welchem Sonnenstand ein Hindernis das Modulfeld beschattet. Er ist die Grundlage für die Berechnung des Mindestabstands zu Hindernissen.

Abschattungswinkel
Abschattungswinkel [°] = arctan(Hindernishöhe [m] / Horizontalabstand [m])
Beispiel: Ein 2 m hoher Schornstein steht 5 m vom Modulfeld entfernt → arctan(2/5) ≈ 21,8° — ab einem Sonnenstand unter 21,8° verschattet er das Modul.

In Deutschland liegt der minimale Mittagssonnenstand am 21. Dezember bei ca. 17° in Hamburg und 19° in München. Ein Hindernis mit einem Abschattungswinkel von 20° beschattet also einen Standort in Hamburg an Wintermittagen vollständig. Das erklärt, warum norddeutsche Anlagen empfindlicher auf Hindernisse reagieren als südliche.

Mindestabstand zu Hindernissen (Faustformel)

Mindestabstand = Hindernishöhe × 2,5 (Sommer-Optimum) bis × 3,5 (ganzjährig verschattungsfrei). Für eine 2 m hohe Brüstung bedeutet das 5–7 m Abstand zur ersten Modulreihe auf einem Flachdach. Diese Faustformel gilt für Standorte auf dem Breitengrad von Deutschland.

Wie Verschattung den String beeinflusst

Dieser Mechanismus ist der Hauptgrund, warum Verschattungsanalyse so wichtig ist — und warum ein einziges Modul eine ganze Anlage ausbremsen kann.

In einem Standard-String-Wechselrichter-System sind mehrere Solarmodule in Reihe (Serie) geschaltet. Der Strom durch den String wird durch das schwächste Glied begrenzt: das am stärksten verschattete Modul. Ist ein Modul auf 40 % seiner Nennleistung reduziert, arbeitet der gesamte String auf diesem Niveau — selbst wenn alle anderen Module voll in der Sonne liegen.

Bypass-Dioden mildern diesen Effekt. Jedes Modul enthält typischerweise 3 Bypass-Dioden, die jeweils eine Zellengruppe überbrücken können. Wenn eine Zellengruppe verschattet ist, schaltet die zugehörige Bypass-Diode den betroffenen Abschnitt aus dem Stromkreis — der Rest des Moduls und des Strings arbeitet weiter. Das reduziert den Schaden, eliminiert ihn aber nicht vollständig: Auch die überbrückte Zellengruppe produziert keinen Strom mehr.

Standard-String-Wechselrichter

Günstig, aber verschattungsempfindlich

Ein verschattetes Modul bremst den gesamten String. Geeignet für Dächer ohne nennenswerte Nahverschattung und gleichmäßige Ausrichtung aller Module. Klare Architektur, günstiger Preis, bewährte Technik. Bei Verschattung ist Modulplatzierung entscheidend.

Moduloptimierer / Microinverter

Teurer, aber verschattungsresistent

Jedes Modul arbeitet am eigenen MPP. Ein verschattetes Modul verliert nur seinen eigenen Ertrag, nicht den der Nachbarn. Sinnvoll bei komplexer Verschattung, Ost-West-Belegung oder wenn Module auf verschiedenen Dachflächen mit unterschiedlichen Ausrichtungen verbaut werden.

Die Entscheidung zwischen String-Wechselrichter und Moduloptimierer hängt direkt vom Ergebnis der Verschattungsanalyse ab. Liegt der Verschattungsverlust unter 5 % und trifft er das gesamte Feld gleichmäßig, ist ein String-Wechselrichter oft die wirtschaftlich richtige Wahl. Bei ungleichmäßiger Teilflächenverschattung über 8–10 % kann ein Optimierersystem die Mehrkosten in 5–7 Jahren durch Mehrertrag einspielen.

Typische Verschattungsverluste nach Quelle

QuelleAbstand zum ModulfeldTypischer Jahresverlust
Baum (Laubbaum, 6 m hoch)3 m12–22 % (betroffener Bereich)
Baum (Laubbaum, 6 m hoch)8 m4–9 %
Baum (Laubbaum, 6 m hoch)15 m1–3 %
Schornstein (1,5 m über Dachfläche)2 m6–12 % (direkt dahinter)
Schornstein (1,5 m über Dachfläche)5 m2–5 %
TV-Antennenmast1 m1–4 % (Strichschatten, punktuell)
Nachbargebäude (10 m hoch)10 m8–18 % (Wintermonate dominieren)
Nachbargebäude (10 m hoch)20 m2–7 %
Brüstung Flachdach (90 cm)0 m (direkt dahinter)15–30 % (1. Modulreihe)
Eigenabschattung (Modulreihen)Zu geringer Reihenabstand3–8 % (Dezember–Februar)

Verluste beziehen sich auf den direkt betroffenen Bereich des Modulfelds, nicht auf die Gesamtanlage.

Verschattungskategorien und Empfehlungen

KategorieJährlicher VerschattungsverlustEmpfehlung
Optimalunter 3 %Standard-String-Wechselrichter, keine Maßnahmen nötig
Gering3–7 %Modulpositionierung optimieren, Hindernis ggf. entfernen
Moderat7–15 %Moduloptimierer oder Microinverter prüfen; Modulfeld neu ausrichten
Hoch15–25 %Wirtschaftlichkeitsrechnung kritisch überprüfen; Alternative Flächen prüfen
Sehr hochüber 25 %Standort möglicherweise ungeeignet; Ertragsgarantien ausschließen

Rechtliche Grundlagen: Solarpaket I

Seit dem Inkrafttreten des Solarpakets I (Mai 2024) gelten verschärfte Anforderungen an die Dokumentation von PV-Projekten, die EEG-Vergütung beanspruchen. Für Anlagen ab 100 kWp ist eine vollständige Ertragssimulation inklusive Verschattungsberechnung bei der Anmeldung im Marktstammdatenregister zu dokumentieren.

In der Praxis bedeutet das: Wer eine 150 kWp-Gewerbeanlage plant, muss die Verschattungsanalyse nicht mehr nur intern für die Wirtschaftlichkeitsrechnung durchführen, sondern als Planungsnachweis vorlegen können. Softwareexporte aus zertifizierten Simulationstools (PVsyst, SurgePV, Solargis) erfüllen diese Anforderung.

Hinweis für Gewerbeprojekte

Banken und Leasinggesellschaften verlangen bei PV-Finanzierungen ab 50 kWp standardmäßig eine unabhängige Ertragssimulation mit Verschattungsberechnung — auch für Anlagen unterhalb der EEG-Dokumentationspflicht. Wer das frühzeitig in die Planungsphase integriert, spart Nacharbeiten in der Finanzierungsphase.

Softwaretools im Überblick

1

SurgePV

Cloud-basierte Solardesign-Software mit integrierter 3D-Verschattungsanalyse, Horizontlinienberechnung und Stringlevel-Simulation. Die Verschattungsanalyse-Software berechnet Verschattungsverluste in Echtzeit während der Planung — ohne Export in ein Spezialtool. Für Installateure und Vertriebsteams konzipiert, die Angebote schnell mit verlässlichen Ertragszahlen untermauern wollen.

2

PVsyst

De-facto-Standard für bankable Simulationen in Deutschland und Europa. Sehr hohe Genauigkeit, umfangreiche Eingabemöglichkeiten, validierte Berechnungsmodelle. Lernkurve ist steil; typisch in Gutachten und Finanzierungsdossiers. Einzellizenz, keine Cloud-Funktion.

3

PVGIS (EU-Kommission)

Kostenlos, browserbasiert, mit europäischen Einstrahlungsdaten der EU-Kommission. Eignet sich für Vorstudien und Potenzialabschätzungen, aber ohne 3D-Objektmodellierung für Nahverschattung. Kein Ersatz für eine vollständige Verschattungsanalyse bei bebauten Standorten.

4

Solargis

Satelliten-basierte Einstrahlungsdaten mit hoher räumlicher Auflösung (90 m und feiner). Wird häufig für Freiflächenprojekte ab 500 kWp eingesetzt, bei denen Bodenverhältnisse und Topografie relevante Einflussfaktoren sind. Typischerweise in Kombination mit PVsyst oder SurgePV genutzt.

Praktische Hinweise

  • Analyse vor der Modulpositionierung. Ein häufiger Fehler: Das Modulfeld wird zuerst auf die Dachfläche gelegt, die Verschattungsanalyse erst im Nachhinein erstellt. Dann liegt ein Schornstein mitten durch zwei Strings — die Umplanung kostet mehr Zeit als die ursprüngliche Analyse.
  • Baumwuchs in 10–15 Jahren einplanen. Junge Bäume wachsen schneller als erwartet. Analyse immer mit dem prognostizierten Endzustand rechnen — nicht mit dem aktuellen Schnittstand.
  • Eigenabschattung auf Flachdächern nicht unterschätzen. Zu geringer Reihenabstand ist der häufigste Planungsfehler bei Flachdachanlagen. SurgePVs Verschattungsanalyse berechnet den optimalen Reihenabstand automatisch.
  • Ost-West-Horizont für EW-Anlagen prüfen. Bei reiner Südverschattungsanalyse werden morgens und abends aktive Module übersehen. Für EW-Anlagen immer beide Horizonte simulieren.
  • Simulation vor Ort verifizieren. Schornsteinhöhen und -positionen mit der Simulation abgleichen. Abweichungen über 20 cm können die Schattengeometrie verändern. Im Zweifel Fotos mit Maßband dokumentieren.
  • Baugenehmigungen für Nachbargebäude prüfen. Bei Anlagen mit 20-Jahres-Laufzeit ist zu klären, ob Aufstockungen oder Neubauten geplant sind. Das Bauamt gibt Auskunft über bestehende Genehmigungen im Umfeld.
  • Strings verschattungsgerecht verlegen. Verschattungsgefährdete Module nie mit unverschatteten im gleichen String kombinieren. Modulausrichtung millimetergenau einhalten — selbst 10 cm Versatz kann die Schattengeometrie verschieben.
  • Bypass-Dioden nach Montage prüfen. IR-Kamera bei teilweiser Beschattung einsetzen — defekte Bypass-Dioden sind mit bloßem Auge nicht erkennbar und können Ertragsausfälle von 5–15 % verursachen.
  • Transparenz als Verkaufsargument. „Wir haben jeden Schornstein und jeden Baum in die Simulation eingebaut. Die Ertragszahl berücksichtigt Ihre konkrete Situation — nicht einen Standardwert für Ihre Postleitzahl.”
  • Risikominimierung kommunizieren. Ohne Verschattungsanalyse kann der tatsächliche Jahresertrag 15–25 % unter dem prognostizierten liegen. Kunden, die das wissen, schätzen eine sorgfältige Analyse.
  • Bankability ansprechen. Banken fordern bei Gewerbeanlagen eine Verschattungsanalyse als Finanzierungsvoraussetzung. „Wir liefern diesen Report automatisch mit — kein Extraaufwand für Sie.”
  • Zahl statt Methode präsentieren. Die Zahl am Ende — z. B. „3,2 % Verschattungsverlust” oder „11.200 kWh Jahresertrag” — ist das, was zählt. Die Simulationsmethodik ist Vertrauensbeweis, kein Verkaufsargument.

Verschattungsverluste exakt berechnen — direkt im Planungstool

SurgePV berechnet 3D-Verschattung, Horizontlinie und Stringlevel-Optimierung in einem Arbeitsgang — ohne externes Spezialtool.

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Praxisbeispiele

Beispiel 1: Reihenwohnhaus in Hamburg-Altona

Ein freistehend renoviertes Gründerzeithaus mit 150 m² Satteldachfläche, Südausrichtung, 35° Neigung. Schornstein (1,8 m über Dachfläche) mittig, TV-Antenne an der Westseite, Nachbargebäude 8 m östlich mit 11 m First.

Die Verschattungsanalyse vor der Planung ergibt:

  • Schornstein: 7,3 % Verlust auf den direkt dahinter liegenden 4 Modulen im String 2
  • TV-Antenne: 0,8 % Strichschattenverlust auf 2 Modulen, vernachlässigbar
  • Nachbargebäude Ost: 4,1 % Morgenverlustverlust, konzentriert auf Oktober–März

Maßnahme: String 2 wird umgeplant. Die 4 Module hinter dem Schornstein werden aus String 2 herausgenommen und mit Moduloptimierern auf einem eigenen Mini-String betrieben. Ergebnis: Gesamtanlagenverlust sinkt von 9,8 % auf 4,2 %.

Wirtschaftliche Wirkung: Bei einer 9,6 kWp-Anlage und 980 kWh/kWp Ertrag entsprechen 5,6 % Mehrertrag rund 527 kWh/Jahr. Bei 30 Cent Strompreis: 158 EUR/Jahr zusätzlich — über 20 Jahre knapp 3.200 EUR. Die Mehrkosten für 4 Optimierer: ca. 280 EUR.

Beispiel 2: Gewerbeflachdach in München (Logistik, 320 kWp)

Flachdach mit Kiesschüttung, 3 HLK-Anlagen (je 2,2 m hoch), Lüftungsaufbauten, Treppenhausüberdachung. Reihenanlage Ost-West, 10° Neigung.

Verschattungsanalyse in SurgePV ergibt:

  • HLK-Anlagen: 5,2 % Verlust auf 18 direkt dahinter liegenden Modulen
  • Eigenabschattung (Reihenabstand 2,8 m): 3,1 % Winterverlust
  • Treppenhausüberdachung: 1,4 % lokaler Verlust

Maßnahme: Reihenabstand auf 3,4 m erhöht (–12 Module, –4,4 kWp), HLK-Module in separaten Strings mit Optimierern. Gesamtverlust von ursprünglich 9,7 % auf 4,6 % reduziert.

Ergebnis für Finanzierung: Die finanzierende Bank akzeptiert die P90-Ertragsprognose des überarbeiteten Designs. Das ursprüngliche Design hätte das Finanzierungsgespräch erschwert.

Beispiel 3: Freiflächenanlage am Stadtrand von Stuttgart (650 kWp)

Ackerfläche, leicht nach Süden abfallend, 300 m östlich eine bewaldete Anhöhe (ca. 15° Horizontwinkel), südlich keine Hindernisse.

Fernverschattungsanalyse über Solargis-Horizontdaten:

  • Wald östlich: 3,8 % Jahresverlust durch Morgenstunden Oktober–Februar
  • Keine Nahverschattung (freies Umfeld)

Vergleich ohne Analyse: Ein einfacher kWh/kWp-Standardwert für Stuttgart hätte 1.050 kWh/kWp angenommen. Die Simulation mit Horizontlinie ergibt 1.012 kWh/kWp — eine Differenz von 3,6 %. Bei 650 kWp bedeutet das 24.700 kWh/Jahr weniger als erwartet, bei 12 Cent Einspeisetarif über 20 Jahre: rund 59.300 EUR Abweichung zur Projektion.

Fazit: Die Horizontlinienmessung kostete 4 Stunden Analysezeit. Sie verhinderte eine Fehlkalkulation im Finanzierungsmodell.

Häufig gestellte Fragen

Wann ist eine Verschattungsanalyse Pflicht?

Rechtlich verpflichtend ist die dokumentierte Verschattungsberechnung für EEG-Anlagen ab 100 kWp (Solarpaket I, 2024). Banken und Leasinggeber verlangen sie de facto ab ca. 50 kWp als Finanzierungsvoraussetzung. Für Wohngebäudeanlagen unter 30 kWp gibt es keine gesetzliche Pflicht — aber sie ist wirtschaftlich sinnvoll, sobald Nahverschattung vorhanden ist oder die Anlage zur Eigenverbrauchsoptimierung ausgelegt wird.

Wie viel kostet eine professionelle Verschattungsanalyse?

Bei Nutzung integrierter Planungssoftware wie SurgePV fällt keine gesonderte Gebühr an — die Analyse ist Teil des Planungsworkflows. Externe Gutachten durch unabhängige Ingenieure kosten für Wohngebäudeanlagen typischerweise 300–800 EUR, für Gewerbeprojekte 800–3.000 EUR abhängig von Anlagengröße und Umfeldkomplexität. Banken akzeptieren für die meisten Finanzierungen Simulationen aus zertifizierten Softwaretools ohne zusätzliches externes Gutachten.

Kann PVGIS die Verschattungsanalyse ersetzen?

PVGIS liefert gute standortbezogene Einstrahlungsdaten und erlaubt eine einfache Horizontlinie-Eingabe. Es modelliert aber keine Nahverschattung durch Einzelobjekte (Schornsteine, Bäume, Nachbargebäude) und keine Stringlevel-Effekte. Für eine Vorstudien-Potenzialabschätzung auf freien Flächen ohne Bebauung ist PVGIS ausreichend. Sobald Nahverschattung eine Rolle spielt, braucht es ein 3D-Simulationstool.

Was ist der Unterschied zwischen Verschattungsverlust und Performance Ratio?

Der Verschattungsverlust ist eine spezifische Verlustquelle: Er beschreibt allein den Ertragsrückgang durch Schattenwürfe auf das Modulfeld. Die Performance Ratio (PR) hingegen ist eine Gesamtkennzahl, die alle Verluste zusammenfasst — Verschattung, Temperaturkoeffizient, Wechselrichterverluste, Leitungsverluste, Verschmutzung und Degradation. Eine Anlage mit 3 % Verschattungsverlust und guter Systemauslegung erreicht typischerweise eine PR von 82–87 %.

Wie oft sollte eine Verschattungsanalyse aktualisiert werden?

Eine Aktualisierung ist nötig, wenn sich das Umfeld der Anlage ändert: Neubau oder Aufstockung eines Nachbargebäudes, signifikantes Baumwachstum (alle 5–7 Jahre bei Laubbäumen im Umfeld), Nachrüstung von Aufbauten auf dem eigenen Gebäude. Für Monitoring-Zwecke: Wenn der tatsächliche Jahresertrag mehr als 8–10 % unter der ursprünglichen Simulation liegt und technische Ursachen ausgeschlossen wurden, lohnt eine erneute Verschattungsanalyse vor Ort.

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About the Contributors

Author
Akash Hirpara
Akash Hirpara

Co-Founder · SurgePV

Akash Hirpara is Co-Founder of SurgePV and at Heaven Green Energy Limited, managing finances for a company with 1+ GW in delivered solar projects. With 12+ years in renewable energy finance and strategic planning, he has structured $100M+ in solar project financing and improved EBITDA margins from 12% to 18%.

Editor
Rainer Neumann
Rainer Neumann

Content Head · SurgePV

Rainer Neumann is Content Head at SurgePV and a solar PV engineer with 10+ years of experience designing commercial and utility-scale systems across Europe and MENA. He has delivered 500+ installations, tested 15+ solar design software platforms firsthand, and specialises in shading analysis, string sizing, and international electrical code compliance.

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